Alle Jahre wieder… die Pferd & Jagd Messe in Hannover. Verteilt auf mehrere Hallen gibt es alles, was das Reiter- oder Pferdeliebhaberherz begehrt. Von Fachvorträgen bis hin zu Vorführungen ist für jeden was dabei.

Letztes Jahr zog es mich dorthin, um unseren Verein, die European Tennessee Walking Horse Association (oder kurz ETWHA e.V.), am Stand der IGV e.V. als Ansprechpartner für unsere Pferderasse zu vertreten.

2019 war alles anders.

Das Pferd muss mit

Präsenz zeigen war letztes Jahr schwierig, da wir keinen Walker vor Ort hatten. Weder aus unserem Verein, noch aus der IGV.

Dieses Jahr war die Entscheidung ganz klar: das Pferd muss mit! Nur welches? Nachdem ich mich mit Sun seit ca. einem Jahr der historischen Reitkunst zugeschrieben habe und regelmäßig versucht habe zu trainieren, habe ich angeboten mit ihr auf der Messe eine Mischung aus Gang und Reitkunst zu zeigen.

Kranheitsbedingt, (mal Pony, mal ich), ist unser Training mal oft und mal weniger oft ausgefallen, so dass ich zwar nicht perfekt vorbereitet war und mich gerade noch von meinem Bänderanriss erholt habe, dennoch das Gefühl hatte ein solides Freizeitpferd mit Elementen der feinen Reitkunst präsentieren zu können. Auf Sun ist immer Verlass.

Unterstützung

So ganz alleine wollte ich mir diese Messenummer mit Pferd jedoch nicht antun. Glücklicherweise hat meine Trainerin und Freundin Anja sich noch ein bisschen Urlaub nehmen können, so dass wir Donnerstag früh morgens gestartet sind.

Ob als Unterstützung für meine Nerven, das Ordnen meiner Gedanken und meiner Reitkünste, zum Pony halten, Hose runterkrempeln oder Abschwitzdecke drauflegen – Anja war Gold wert! Dazu kommen dann noch nette Gespräche unter Freunden, die so eine stressige Zeit als etwas Positives verfliegen lassen (und natürlich auch das ein- oder andere Shoppingerlebnis). Danke Anja!

Dieses Jahr war auch Anna mit ihrer TWH Rappstute Dottie von der Partie. Um so schöner, da ein einzelner Walker bei all den Töltern sicher untergegangen wäre. Anna züchtet und trainiert Tennessee Walking Horses und empfindet es genau wie wir von der ETWHA e.V. als wichtig, Präsenz zu zeigen.

Anna macht das alles schon seit sie klein ist und kam tatsächlich ohne Helferlein zur Messe. Meinen Respekt hat sie dafür! Da ich ein Show-Newbie bin und mir nicht extra für diese eine Messe ein Western Outfit kaufen wollte, hat Anna mir netterweise zwei ihrer Showoutfits geliehen, um mich rassespezifisch anziehen zu können. Dadurch konnten wir unsere Outfits auch aufeinander abstimmen und als Team auftreten, was für mich als Newbie schön war!

Foto: Nadine Schumacher

Normalerweise trägt Sun ihren Bückeburger Schulsattel, doch da wir damit nicht rassespezifisch sind und sich keiner an uns anpassen kann, habe ich angeboten mich anzupassen. Somit fiel die Präsentation der Dressurlektionen weg.

Sun hat für die Vorführungen Ravi’s Westernsattel getragen. Durch das tolle Klett-System der Specialized Saddles konnte ich den Sattel von unten direkt an Sun’s Rücken anpassen.

Bei der Zäumung habe ich einfach ein altes Westernkopfstück und braune Zügel an Sun’s Barock Hackamore gebastelt, damit wir stimmig unterwegs sind. Die Barock Hackamore trägt sie zu Hause auch und läuft ganz fein damit.

Aktionsring

Täglich waren wir von 13:00 – 13:30 Uhr im Aktionsring in Halle 17 zu sehen. Dieses Schaubild beinhaltete eine Vorführung der gesammelten Gangpferdemannschaft – von Traber bis Isländer, Paso Finos, Mangalarga Marchadores, Rocky Mountain Horses, Missouri Foxtrotting Horses und unseren Tennessee Walking Horses war einiges geboten!

Der Ring war nicht sonderlich groß, was es für die größeren und schnelleren Rassen schwierig machte auf ihr Tempo zu kommen. Für uns Walker war es ideal, da wir zwar flott unterwegs waren, aber nicht hetzen mussten.

Nachdem einmal die gesammelte Truppe im Ring war sind einzelne Pferd-Reiter-Paare von Kaja hineingebeten worden um spezifische Dinge zu zeigen. Im Anschluss waren noch einmal alle im Ring, um das Bild abzurunden.

Bei der ersten Vorführung am Donnerstag waren Sun und ich völlig überfordert, da wir weder wussten wie so etwas abläuft, noch wussten wir wie schnell oder langsam wir letztlich laufen werden. Sun war nicht bekannt mit “Messe” und wir konnten auch nicht wirklich dafür üben.

Die Menschenmassen haben sie erstaunlich kalt gelassen. Vielmehr wollte sie auf keinen Fall den Anschluss verlieren.

Sun hat das überraschend toll gemacht und ich habe mich riesig über die bekannten Gesichter gefreut, die mir strahlend zugewunken haben! DANKE!!! Du hast mir sehr geholfen mein Lächeln im Gesicht zu behalten, trotz der Nerven!

Große Show Arena

Am Freitag Morgen ging es zu allererst in die große Show Arena, um ein 4-minütiges Gangpferdeschaubild darzustellen. Das war eine Nummer für sich, die sich auch schwer vorher üben lässt.

Sun war erstaunlich entspannt trotz der riesigen Tribühne, des Lärms, der schallernden Lautsprecher und dem dezenten Geruch nach Friteusenfett. Eine krasse Erfahrung für uns beide!

Hier in der großen Arena konnten die töltenden Gangpferderassen einmal richtig Strecke machen und zeigen, was in ihnen steckt. Leider war das Tempo für mein Freizeitpferd ein wenig zu hoch. Ohne Halle oder Allwetterplatz ist es für mich zu Hause (noch) schwierig in der nassen Jahreszeit so zu trainieren, dass Sun ein solches Tempo solide mitziehen kann. Wir sind schnell, aber noch nicht so schnell – der Weg ist ja bekanntlich das Ziel!

Anstatt uns stressen zu lassen, sind wir dann einfach aufgetrabt um nicht verloren zu gehen, denn traben können wir ja auch.

Stress

Let’s face it. So eine Extremsituation lässt sich nicht üben. Am Donnerstag hatten wir einen Auftritt, Freitag gleich drei und Samstag/Sonntag jeweils noch zwei Auftritte. Allein das Auf- und Absatteln, Putzen, Vorbereiten, Umziehen, Abreiten und Auftritt reiten nimmt so viel Zeit und Energie in Anspruch, das kann man sich kaum vorstellen. 

Standbetreuung war also so gut wie kaum möglich. Ich bin der IGV e.V. total dankbar für all die lieben Helferleins, die sich mit so viel Liebe um den Stand gekümmert haben!!

Selbst wenn ich jeden Tag zu Hause in einer Halle trainieren würde, könnte ich das alles nicht nachahmen. Die ständige Anspannung und der Vorwärtsdrang mit der Gruppe arbeiten deutlich gegen den entspannten Flat oder Running Walk. Da wir also langsamste Gangpferderasse immer das “Schlusslicht” waren, hat dies einiges von Sun und auch von mir abverlangt.

Trotz des super kooperierenden Ponys habe ich schnell gemerkt, wie anstrengend diese Messe für sie ist. Sun hat stark abgenommen und mein mitgebrachtes Futter reichte nicht mehr aus, um die Energie und Nährstoffe schnell genug zurück ins Pony zu bekommen.

Kurzerhand machten Anja und ich uns zwischen den Shows auf Futtersuche für Sun. Ich wollte ihr Luzerne kaufen, da ich während meiner Zeit in England sehr gute Erfahrungen damit gemacht habe.

Fündig wurden wir beim Stand der Firma Hartog. Schnell kamen wir ins Gespräch mit zwei sehr netten Mitarbeitern und ich machte mich guten Gewissens und glücklich mit einem Sack Luzerne Mix auf den Weg zurück zu Sun. Man konnte zusehen, wie sie täglich wieder zugenommen hat und deutlich mehr Energie hatte. 

So viel, dass sie bei unserem letzten Auftritt am Sonntagnachmittag Vollgas gegeben hat und die große Showarena am liebsten im Stechtempo durchgetrabt wäre. Haha!! Ich glaube sie hat mitgezählt und wusste, dass wir danach direkt nach Hause fahren.

Fazit

So eine Messe mit Pferd ist anstrengend, jedoch lohnenswert. Wer nicht Präsenz mit Pferd zeigt, der kann nicht gesehen werden. Klingt total logisch, aber denk mal drüber nach. Alle Blog Einträge, Youtube Videos und alle Facebook/Instagram Beiträge der Welt können einem kein reelles Bild vermitteln.

Gut, eine Messe ist vielleicht nicht der beste Ort, um sein Pferd perfekt zu präsentieren, aber wer oder was ist schon perfekt? Durch meinen noch nicht verheilten Bänderanriss fehlte mir die Lockerheit und Sicherheit im rechten Bein, was sich natürlich auf meinen gesamten Sitz ausgewirkt hat, und ganz alleine konnte Sun das dann auch nicht meistern. Ich konnte Sun also reiterlich nicht zu 100% gerecht werden und sie nicht immer so zeigen, wie sie tatsächlich laufen kann: locker, dahingleitend, schnell. 

Ich bin trotzdem mächtig stolz auf mein kleines rotes Feuerpferd! Sie ist so artig gewesen und hatte kein einziges Mal einen Ausraster, in dem es gefährlich oder unentspannt war. Die Abreitehallen hat sie, trotz 100 weiterer Pferde mit im Ring, wunderbar entspannt angenommen und nach ein paar Runden Eingewöhnungsphase konnte sie dort sogar am langen Zügel locker laufen. Kreuz und quer galoppierende, ausrastende oder an der Longe wild bockende Pferde waren ihr total egal. Sie war ganz bei mir. 

Du hast bestimmt gesehen, dass ich trotz Western Outfit mit Helm geritten bin. Das liegt zum einen daran, dass ich immer mit Helm reite (safety first!) und zum anderen daran, dass so viele Kinder auf so einer Messe zusehen, für die ich eine Vorbildfunktion sein möchte. Bei all dem Bling auf so einer Show geht es da ausnahmsweise mal nicht ums schön aussehen!

Ich bin dankbar für diese neue Erfahrung, die ich mit meiner Sun sammeln durfte, für die netten Begegnungen und die neuen Freundschaften, die auf so einer Messe entstanden sind.

Danke an die ETWHA e.V. und IGV e. V. fürs möglich machen und an Anja, Nadine und Liza für die vielen Erinnerungen in Form von Fotos! Danke auch an Anja und Liza fürs geduldige Helferlein und Erdung sein 🙂