Die Qual der Wahl stand letzte Woche an – ich habe dich mitgenommen auf meiner Suche nach den geeigneten Paddockplatten und dir berichtet wie und wo ich fündig geworden bin.

Eine Woche harte Arbeit, von 9:30 – 20:00 Uhr, liegt nun hinter uns. Die Pferde mussten in dieser Zeit in zwei kleine Gruppen aufgeteilt werden, was ich wirklich nicht gerne gemacht habe. Der Paddockbau ließ sich logistisch einfach nicht anders umsetzen und sie waren so artig und geduldig mit mir.

Wir konnten heute im Hof stehen und mit einem leichten Herzen der zufriedenen Herde beim Fressen zusehen – zum ersten Mal seit letztem Sommer.

Zwar lief nicht alles 100% so wie gedacht, aber da bekanntlich nichts so beständig ist wie die Lageänderung, wollen wir uns davon auch nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Los geht’s mit Tag 1:

Schlamm abtragen

Die Matschhölle muss weichen – das stand ja schon länger fest! Aber wie man das tatsächlich angeht, das steht auf einem ganz anderen Blatt geschrieben. Da wir weder Frontlader, noch Traktor haben, war für mich klar, dass Hilfe benötigt wird. Hätten wir das alles per Hand schaufeln müssen, dann wären wir heute noch dabei..

Zum Glück hat Hermann, der Landwirt unseres Vertrauens, Helfer Moritz und seinen Traktor mitgebracht. Mit dem Traktor konnte er uns also relativ flott weiterhelfen. Tag 1 hat sich überwiegend damit beschäftigt, den Schlamm abzutragen und den Boden weitestgehend von Unebenheiten zu befreien.

Zu dritt haben wir um Wurzeln herum per Hand geschaufelt, Pflastersteine aus dem Boden gezogen und Findlinge aus dem Matsch gelöst. Das Wetter war eher bescheiden, was diese Art der Arbeit nur unnötig erschwerte.

Da die Mühle schon viele viele Jahre und Gezeiten gesehen hat, war es eigentlich keine Überraschung, dass der Boden an diversen Stellen random gepflastert war. (Davon habe ich nur nie etwas gesehen oder bemerkt, weil so viel Erde darüber lag.) Die Pflastersteine haben wir einzeln hochgestemmt und per Hand herausgenommen, da sie für den Traktor unzugänglich waren.

Vor einem der beiden kleineren Ställe haben wir unter einer 30 – 40 cm Schlammschicht einen alten Paddock aus Kopfsteinpflaster gefunden. Damit hatte ich nun wirklich überhaupt nicht gerechnet! Eigentlich sollte dort die Liegefläche mit Paddockplatten hin, nur hat mich dieser unebene Boden total verunsichert.

Auf Instagram habe ich dich ein bisschen an der Umbau-Verlege-Aktion teilhaben lassen. Als ich nicht mehr weiter wusste hat die Firma Land Grid auf meine IG Story reagiert und mich direkt angerufen. Wir haben während einem netten Telefonat die Problemstellung gemeinsam erörtert und versucht eine passende Lösung zu finden.

Ich war wirklich sehr positiv überrascht, da mir diese Form von above & beyond Kundenservice bisher nicht bekannt war (zumindest nicht in Deutschland!). Man hätte meinen Hilferuf weder zur Kenntnis nehmen müssen, noch hätte man mich daraufhin anrufen müssen, da ich mich schließlich nicht selbst persönlich per Telefon gemeldet habe.

Für mich war das ein weiterer Pluspunkt, der mich darin bestätigt hat die richtige Wahl getroffen zu haben. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle! 🙂

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Unterbau

Nach ein paar weiteren Überlegungen mit Hermann war uns schnell klar, dass es unmöglich sein wird, den Boden mit all diesen verschiedenen Gegebenheiten gleichmäßig zu bekommen, es sei denn wir betreiben einen riesen Aufwand.

Der ursprüngliche Gedanke von einem Teilpaddock aus Kopfsteinpflaster musste also weichen. Stattdessen waren wir uns einig: Sand.

Dieser lässt sich mit dem Traktor gut verteilen und auch befestigen, allerdings wurde mir ursprünglich vom Plattenhersteller davon abgeraten, Sand als Unterbau zu verwenden. Die Beweggründe waren völlig nachvollziehbar, doch hatten wir wenig Alternativen.

Auf Englisch würde man jetzt sagen “put your thinking cap on”. Sand ist nicht gleich Sand! Ich hatte mich überall durchtelefoniert und Vergleiche eingeholt. Am Ende blieb ich bei einer lokalen Sandgrube hängen, da ich dort lehmhaltigen Sand bekommen konnte.

Durch den Lehm im Sand wird dieser nicht sofort vom Wind weggetragen, kann Feuchtigkeit besser speichern und sich dadurch besser verfestigen. Bei einer Freundin im Stall ist diese Art von Sand ein hervorragender, fester Reitboden – warum also nicht auch als Untergrund für mein Paddock?

So lange der Sand ausreichend verfestigt wird, sehe ich darin kein Problem. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, oder wie heisst es doch so schön? 🙂

Vier Mulden voll Sand (das sind ca 40-44 Kubikmeter!) gingen allein dafür drauf, die ursprüngliche Höhe des Bodens wieder zu erlangen. Schließlich waren die Stalleingänge teils darauf ausgelegt und auch die Heuraufe lag höher. Dort, wo der Matsch besonders tief war, musste dementsprechend viel abgetragen und wieder aufgefüllt werden.

Vier weitere Mulden lagen bereit zum Verfüllen der Paddockplatten und zum Auffüllen des Paddocks (wo nötig).

Der Sand wurde zeitweise von Hermann mit dem Traktor und Eike mit dem Weidemann ausgefahren, verfestigt und immer wieder glatt gedrückt/gezogen. Am Ende entstand eine relativ plane Fläche mit Gefälle zur Weide hin, die selbst den Traktor gut ausgehalten hat. Paddockplatten und Pferdehufe sollten doch dann auch kein Problem sein?

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Paddockplatten verlegen

Unsere Wahl fiel auf eine Platte, die ohne Unterbau verlegbar ist. Dementsprechend wenig Sorge hatte ich mit dem Sand (der Boden vorher war viiiel schlimmer!). Befahrbar ist die Platte laut Hersteller ohne Unterbau sowieso nicht, aber sie wirkt sehr stabil (auch auf Sand!).

Das Verlegen selbst kam mir zunächst vor wie ein Mammutprojekt, ganz unbezwingbar! Wo fängt man an? Wo legt man die Wege am geschicktesten an? .. Doch als wir die erste Bahn mit dem Vlies gelegt hatten, ging alles total schnell. Am Ende war ich überrascht, wie schnell die Liegefläche vor dem Stall tatsächlich mit Platten versehen war!

Rechteckige oder quadratische Flächen sind super schnell zu verlegen, da die Platten Modular sind. Es gibt zwei Seiten mit “Zähnen” und zwei Seiten mit “Ösen”, sie lassen sich also individuell zusammenstecken um eine einheitliche, befestigte Fläche zu bilden. Lediglich das Verlegen im Versatz ist nicht möglich, da die Platten an je zwei Stellen pro Seite Einbuchtungen haben, die dies verhindern.

Da unsere Wege und Flächen weitestgehend gerade sind, war das nur an zwei kleineren Stellen ein Problem (um den Baum herum und ein Übergang von Weg zu Fläche), welche sich aber anders lösen ließen.

Laut Hersteller soll man nicht mehr als 5m x 5m Fläche zusammenhängend verbinden. Wir haben uns daran gehalten und an den entsprechenden Stellen eine Dehnungsfuge eingebaut. Außerdem haben wir auch beachtet immer abwechselnd Platten von den Paletten zu nutzen.

Das mitbestellte Vlies dient als Trennschicht zwischen den Platten und dem Untergrund/Unterbau. Es besteht aus mehrfarbigen Fasern, ist wasserdurchlässig und relativ dick. Dadurch wirkt es sehr stabil und reißfest.

Ich hatte bei der Bestellung nicht bedacht, dass wir Verschnitt haben werden. (Duh!!) Das Vlies soll ca. 20 cm Überstand unter den Platten haben. Dadurch fehlten uns am Ende knappe 20 Meter Länge. Ich dachte ich finde schnell im Baumarkt oder Landhandel so ein Vlies, kam dann aber enttäuscht mit einem total dünnfasrigen Allzweckvlies und einem Unkrautvlies wieder.

Letzteres musste dann zum Einsatz kommen um die letzten 15 Meter Paddockplatten vom Sand zu trennen. Leider gab es Zeitdruck, so dass ich nicht neu bestellen und auf die restlichen Meter Vlies warten konnte. Ich werde berichten, wie das Unkrautvlies sich verhält! 

Meine Einschätzung ist, dass es trotz suboptimalen Verhältnissen funktionieren wird, aber das Vlies der Firma Land Grid ist im Vergleich wesentlich stabiler in jeglicher Hinsicht. Es lohnt sich also nicht hier zu sparen (bei 1€/qm ist es auch definitiv nicht überteuert und du würdest an der falschen Stelle sparen!).

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Platten verfüllen

Die schwierigste Aufgabe war eigentlich das Legen der Wege und Flächen, da ich mir genau überlegen musste wohin ich die Pferde wie leiten möchte. Das Verfüllen war dagegen ein Kinderspiel, vor allem mit dem Traktor!

Die Platten wurden so verfüllt, dass mindestens 6-8cm Sand als Tretschicht dienen. Auch hier haben wir uns an Herstellerempfehlungen gehalten.

Zwischendurch habe ich immer mal ein paar Fotos gemacht, damit man den Unterschied sehen kann. Am Ende konnte man gar nicht mehr erkennen, wo Platten verlegt sind und wo nicht.

Das Ergebnis kann sich echt sehen lassen, trotz Sauwetter! 🙂

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Trail neu abstecken und begrenzen

Nach der Sand-Action ist mein Paddock unerwartet etwas größer geworden, was im Endeffekt total toll ist. Ich freue mich richtig darüber. Die Pferde haben jetzt viel mehr Ausweichmöglichkeit, eine größere Liegefläche im tiefen Sand (sollten sie diese bevorzugen) und sie haben eine befestigte Liegefläche. 

Zusätzlich konnte ich dadurch eine Knabberecke mit Baumstämmen und Ästen einrichten. Den Trail habe ich dementsprechend neu abgesteckt (die Holzpfosten kommen erst wenn wir endgültig fertig sind). Der Unterschied ist jetzt schon enorm!!

Da wir gestern frisch einige Büsche und Bäume am Paddock stutzen mussten, habe ich direkt die dickeren Äste und Baumstämme (Weide und Haselnuss) für das Paddock genutzt. Einerseits wie oben beschrieben zum Knabbern und andererseits um die Platten zu begrenzen.

Ein dicker gerader Baumstamm eignet sich hervorragend, um eine Fläche mit Paddockplatten zu begrenzen und das Vlies an Ort und Stelle zu halten. Dazu haben wir sie einfach mit dem Vlies eingebuddelt. Zusätzlich verhindern die Baumstämme somit an gezielten Stellen, dass zu viel Sand abgetragen oder ausgespült wird.

Die Pferde und ich könnten nicht glücklicher sein!! Die Arbeit heute morgen war sooo viel leichter. Das Ergebnis kann sich echt sehen lassen, trotz durchgehendem Sauwetter und gewagtem Untergrund! 🙂

Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an all die fleißigen Helferleins, die geduldigen Pferde, die animierenden Hunde und selbstverständlich die Hühner-Bauaufsicht!

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